Unumstrittenerweise ist Frau Werlhof eine sehr umstrittene Person im Spiel der Wissenschaften. Undbedingt aber ist sie Jemand, deren Absicht unsere Welt zu einer Besseren zu machen durchaus zu honorieren ist. Da die Vernastaltung sonst nicht wirklich im Internet präsent ist, wird sie nun auch hier angekündigt. Also: Hingehen, Mitreden, kritisch Bleiben, und weitertragen was weitergebenswert ist!
WEST-END!
Die Moderne ist am Ende. Die westliche Zivilisation ist gescheitert. Das versprochene Paradies ist in weite Ferne entschwunden. Katastrophenartige Verhältnisse in allen Lebensbereichen breiten sich aus. Es geschieht das genaue Gegenteil von all dem, was von jeher vorausgesagt und als Ziel der Entwicklung propagiert worden war.
Warum? Was nun?
Diesen Fragen widmet sich die Internationale Tagung
WEGE IN EINE NEUE ZIVILISATION
5. – 7. März 2010
Universität Innsbruck, Aula, Innrain 56, Innsbruck
VeranstalterInnen:
o.Univ.Prof. Dr. Claudia von Werlhof und Projektgruppe „Zivilisationspolitik“ am
Institut für Politikwissenschaft, Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie, Universität Innsbruck
Cluster „Matriarchatsthese/Patriarchatskritik“ des Forschungsschwerpunktes
„Politik-Religion-Kunst“ der Universität Innsbruck
FIPAZ (Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und Alternative Zivilisationen) e.V., Innsbruck
Die Buchpräsentation fand am 27. Januar 2010 in der Wagnerschen Buchhandlung, Museumstr. 4. A 6020 Innsbruck statt.
Tagungs-Programm
Freitag, 5.3.2010
10.30 Pressekonferenz Wagnersche Buchhandlung, Museumstrasse 4, 6020 Innsbruck
14.00 Eröffnung der Tagung in der Aula der Universität Innsbruck, Innrain 56
Begrüßung der TeilnehmerInnen
Vorbereitungs- und Projektgruppe „Zivilisationspolitik“
14.30-15.30 1.Sitzung.
Einführung: Entstehung und Begriffe der „Kritischen Patriarchatstheorie“, ihre
Bedeutung für die Analyse der Gegenwart und für Wege in eine neue Zivilisation
Renate Genth: Naturverhältnis und Zivilisationsbegriff
Franco Ruault: Totentanz im „Tausendjährigen Reich“. Die “Endlösung der
Judenfrage“ aus patriarchatskritischer Perspektive
Claudia von Werlhof: Patriarchatsbegriff und Kapitalismusbegriff: das
“kapitalistische Patriarchat“ als „Alchemistisches System“
16.00 -18.00 2. Sitzung. Moderation: Martin Haselwanter, Franco Ruault
Zu den Grenzen der Moderne als Zivilisation des „kapitalistischen
Patriarchats“
Ulrich Brand: Zur Kritik post-neoliberaler Naturbeherrschung in Zeiten der
multiplen Krise
Michael Jaeger: Fausts neue Welt
Claudia von Werlhof: Die Moderne als „Schöpfung aus Zerstörung“ und ihr
Scheitern
Samstag, 6.3.2010
09.00-11.00 3. Sitzung. Moderation: Birgit Scherer, Matthias Walch
Zum Natur- und Transzendenzverhältnis der Moderne: Geld
Jochen Hörisch: Das Geschlecht des Geldes
Margrit Kennedy: Neue Gelder für eine neue Zivilisation – der Ausbruch aus
einem Tabu
Hubert Salden: Kunst steht auf und geht. Eine Skizze zur Maschine, zum Geld
und dem Vergessen.
11.30-13.30 4. Sitzung. Moderation: Simone König, Simone Wörer
Zum Naturverhältnis einer neuen Zivilisation: Alternative Ökonomie
Veronika Bennholdt-Thomsen: Geld kann man nicht essen! Für eine
Subsistenzperspektive im 21. Jahrhundert
Hannes Hofbauer/Andrea Komlosy: Ökonomische Subsidiarität statt globaler
Integration. Skizzen zu einer Welthauswirtschaft
Maria Mies: …und wann kommt das „gute Leben“?
15.00-17.00 5. Sitzung. Moderation: Sibylle Auer, Mathias Behmann
Die matriarchale Zivilisation und ihre Bedeutung für eine neue Zivilisation
heute
Heide Göttner-Abendroth: Matriarchatsforschung heute – Bedeutung für
eine neue Zivilisation
Christa Mulack: Muttersein im matriarchalen und patriarchalen Kontext
Uscha Madeisky: Die Akademie ALMA MATER
17.30-19.30 6. Sitzung. Moderation: Renate Genth, Ursula Scheiber
Zum Natur- und Transzendenzverhältnis der matriarchalen und einer neuen
Zivilisation.
Kurt Derungs: Naturverbundenheit als Zweite Kultur: Spuren einer
animistischen, totemistischen, schamanischen und matriarchalen
Naturphilosophie
Elisabeth Loibl: Über die Bedeutung der Verbundenheit – Einblicke in die
Tiefenökologie.
Dagmar Margotsdotter-Fricke: Von der Hingabe des Menschen zur
„Allgeberin des Sternenalls und tiefbusigen Spenderin des Glücks“ bis zur
„Angst vor der Auflösung“ und dem „Kampf gegen die gefährliche Gleichheit
mit dem Nichts“.
Sonntag, 7.3.2010.
09.00-11.00 7. Sitzung. Moderation: Theresa Frick, Sebastian Sojer
Zu den Geschlechter-, Generationen- und allgemein zwischenmenschlichen
Verhältnissen im „kapitalistischen Patriarchat“ und in einer neuen
Zivilisation: Zugehörigkeit, Trennung, Entfremdung – und deren Aufhebung
Isabelle Derungs: Auswege aus der Traumatisierung im patriarchalen
Gewaltsystem – (k)ein selbstverständlicher sozialer und kultureller Prozess
Arno Gruen: Die Rolle der Empathie und der Mutter-Kind-Bindung in der
Geschichte der Menschheit
Bernd Senf: Die Bedeutung von Wilhelm Reich für einen Aufbruch aus dem
Patriarchat
11.30-13.30 8. Sitzung. Moderation: Hubert Salden
Kunst, Kunsttheorie und „kapitalistisches Patriarchat“. Kunst einer neuen
Zivilisation?
Uschi Beiler: “Grüss Göttin”- mit Performance der Bildhauerin
Hubsi Kramar: Theaterarbeit der Zukunft
Uscha Madeisky: Filmausschnitte über die Akademie ALMA MATER
/Filmdokumente der Tagung
Eberhard Petschinka/ Elisabeth Putz: Tondokumente/Feature der Tagung für
den Rundfunk
15.00-16.00 9. Sitzung. Moderation: Claudia von Werlhof und Projektgruppe
„Zivilisationspolitik“
Zusammenfassung, Weiterarbeit, Buchprojekt, Vernetzung. Verabschiedung.
Ende der Tagung –
Hintergründe:
Wir haben mit der „Kritischen Patriarchatstheorie“ eine Erklärung für die Entstehung, Entwicklung, die Gefahren – aber auch die Auswege aus der globalen Zivilisationskrise anzubieten.
Diese Theorie erklärt, warum die Moderne das radikalste und gewalttätigste Projekt einer Zivilisation ist, die wir als Patriarchat bezeichnen, und die jetzt – in der Phase des „kapitalistischen“ Patriarchats – vor den Folgen ihres Wirkens steht und unfähig ist, daraus die Konsequenzen zu ziehen.
Dabei haben die Neuzeit und die Moderne so zerstörerisch gewirkt, dass sie innerhalb von letztlich nur 200 Jahren den ganzen Planeten in eine bedrohliche Lage bringen.
Die Faszination bzw. Religion des wissenschaftlich-technischen und ökonomischen „Fortschritts“ sowie des Fetischismus der Ware, des Geldes und der „Maschine“ zu durchbrechen ist mit dieser Sicht zum ersten Mal möglich. Das patriarchale (= am Anfang ein „Vater“) Projekt, das auf einem Glauben an die Gewalt und an den Krieg, aus dem es kommt, verbunden ist, ist der wichtigste Grund für das Dilemma der westlichen Zivilisation heute: Denn es gibt keinen Ersatz für das Zerstörte.
Die Hybris und der wahnhafte, „gnostische“ Nihilismus der westlichen Zivilisation der Erde und dem Lebendigen gegenüber – ihre seit der Neuzeit praktische Annihilation – sind auf diese Weise inzwischen zur allgemeinen Tendenz und in vielen Formen zum Alltag der meisten Menschen geworden.
Die Alternativen dazu können entsprechend weder kapitalistisch(sozialistisch) noch patriarchal sein, sondern letztlich nur „matriarchal“. Das heißt nicht frauenbeherrscht, sondern im Gegenteil herrschaftsfrei, lebensfreundlich, egalitär, an der Natur als lebendigem Geschehen – der Verbundenheit alles Seienden – orientiert und um eine von allen getragene Gemeinsamkeit im Wirtschaften, in der sozial-politischen Organisation und in einer Kultur der friedlichen Konfliktlösung bemüht.
Damit stehen wir heute vor Fragen, die nicht nur 500, sondern 5000 Jahre umfassen, und die gelöst werden müssen, soll es eine lebenswerte, ja überhaupt mögliche Alternative zum Ende der Moderne als dem Gipfel dieser Entwicklung geben.
Entstehung der Kritischen Patriarchatstheorie
Die Kritische Patriarchatstheorie entstand aus der kapitalismuskritischen internationalen feministischen Forschung und Bewegung der späten 1970er Jahre in Deutschland, insbesondere in Gestalt des sog. „Bielefelder Ansatzes“ und des Ökofeminismus (Veronika Bennholdt-Thomsen, Maria Mies, Claudia von Werlhof, Vandana Shiva). Die damit zusammenhängende, zunächst vor allem politisch, kulturell und ökonomisch ausgerichtete Patriarchatskritik ergänzte die theoretischen Bemühungen und fand zusammen mit der modernen Matriarchatsforschung, die von Heide Göttner-Abendroth begründet worden war.
In Innsbruck wurde dieser Ansatz schließlich systematisch interdisziplinär zur Kritischen Patriarchatstheorie weiterentwickelt. Dabei fand auch die Frage nach den historischen Ursprüngen und Periodisierungs- Möglichkeiten des Patriarchats Eingang, insbesondere seiner Entwicklung in der Neuzeit und zum „kapitalistischen Patriarchat“ sowie dessen „Globalisierung“, seinem Verhältnis zur matriarchalen Gesellschaft und insbesondere zur Natur sowie zur Technik und Religion/Spiritualität. Für den Bezug zur Technik, der für den neuen, erweiterten Patriarchatsbegriff entscheidend war, waren die maschinenkritischen Arbeiten von Renate Genth von herausragender Bedeutung. An sie schließt C. v. Werlhof mit neueren Alchemie-kritischen Forschungen an: von der Alchemie der Antike zum kapitalistischen Patriarchat als „Alchemistischem System“ einer „Schöpfung“ aus Zerstörung.
Diese Bemühungen wurden inzwischen noch durch den Bezug zur Philosophie ergänzt, wofür dem Autor aus unserer Gruppe, Mathias Behmann, dieses Jahr sogar der renommierte Theodor-Körner-Preis vom österreichischen Bundespräsidenten sowie der „Würdigungspreis“ des Ministers für Wissenschaft und Forschung in Wien verliehen wurde.
Damit wurde unser Ansatz zum ersten Mal öffentlich anerkannt.
Das ist insofern neu, als sich dieser Ansatz von den meisten bestehenden Ansätzen und Paradigmen durch seine begrifflichen Prämissen – völlig neue Begriffe von „Zivilisation“ und „Patriarchat“ und von daher von Kapitalismus(Sozialismus)und modernem Weltsystem als „kapitalistischem Patriarchat“ – und seine grundsätzliche Trans-Disziplinarität unterscheidet. Deshalb haben wir nicht selten mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen und Paradigmen, ihren VertreterInnen sowie der politischen Linken wie Rechten im Konflikt gelegen. Dies gilt insbesondere auch für die sog. „Gender“- Forschung und -Politik, die seit den 1980er Jahren aus den USA importiert wurde und zusammen mit der irreführender Weise sogenannten „Postmoderne“ die frühere feministische Frauenforschung fast ganz verdrängt hat.
Damit ist es jetzt vorbei.
Folgendes Buch ist die Grundlage für die Tagung:
Projektgruppe „Zivilisationspolitik“: Aufbruch aus dem Patriarchat – Wege in eine neue Zivilisation?“, Frankfurt a. M., 2009 (Peter Lang, Beiträge zur Dissidenz Nr. 23)
Die Buchpräsentation fand am 27. Januar 2010 in der Wagnerschen Buchhandlung, Museumstr. 4. A 6020 Innsbruck statt.
Weiterarbeit 2010/2011
Buchprojekt zur Veröffentlichung der Tagungsergebnisse, Nachfolgeband von Projektgruppe „Zivilisationspolitik“: „Aufbruch aus dem Patriarchat – Wege in eine neue Zivilisation?“, Ffm 2009










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