23. April 2010, 16:07
Anstatt die Politik endlich in die Knie zu zwingen, mehr Geld auszugeben, bekriegen sich die Universitäten lieber selbst

Marian Kogler, Österreichs jüngster Hochschulabsolvent, ist nur ein Beispiel unter vielen österreichischen Studierenden: ausgewandert nach Deutschland, weil er hier auf keine Anstellung hoffen darf. So kann es gehen. Österreich laufen die Fähigsten der Fähigen davon. Aufschrei gibt es keinen, die Politik scheint es nach wie vor nicht zu kümmern, dass der Hochschulstandort Österreich am absteigenden Ast ist. Die Studentenproteste sind dem Kurzzeitgedächtnis schon wieder entschwunden, vom großangekündigten Hochschuldialog ist in der Öffentlichkeit nichts mehr zu vernehmen, nachdem sich die Rektoren daraus verabschiedet haben.

Um sich im Kampf ums Überleben rechtzeitig in Stellung zu bringen, haben die Universitäten mittlerweile begonnen sich gegenseitig anzufeinden. WU-Rektor Badelt hat sich unbeliebt gemacht bei seinen Kollegen, weil er um ein Drittel weniger Studierende haben will und den “Notfallparagraphen” für sich nutzen möchte. Studienanfänger werden natürlich notgedrungen wieder auf andere Universitäten ausweichen, die ähnliche Studienfächer haben und keine Zugangsbeschränkungen. Wie man es auch dreht und wendet – mit den Zugangsbeschränkungen entsteht gleichzeitig ein Verdrängungswettbewerb. Bestes Beispiel – das Medizinstudium: Wer die Aufnahmetests nicht schafft, studiert stattdessen eben Biologie oder Pharmazie. Die Finanzierung wird jedoch dem Studienangebot und der Nachfrage nicht angepasst.

Totschlag-Argument: “Kein Geld”

Die Universitäten schaden sich auf lange Sicht gesehen nur selbst, wenn sie sich und ihre Kapazitäten nun – verständlicherweise – gegeneinander ausspielen. Um das Chaos an den Universitäten lösen zu können und Österreich in ferner Zukunft als Hochschulstandort wieder attraktiv zu machen, wird man nicht darum herumkommen mehr Geld auszugeben (und nicht nur in technischen Forschungsfeldern). Das ist ein Fakt, den jeder, der irgendwie in das Bildungssystem involviert ist, bestätigen wird.

Einzige Ausnahme: die Politik. Zwar gibt es immer wieder das Bekenntnis, dass Bildung das Kapital der Zukunft sei und man sich bemühen werde bis 2015 die Ausgaben für die Hochschulen auf zwei Prozent des BIP (Bruttoinlandprodukt) anzuheben. Bei Nachhaken in punkto Hochschulfinanzierung macht sich jedoch die Ernüchterung breit: kein Regierungsmitglied will dafür einstehen, dass dieses Ziel auch tatsächlich erreicht werden muss (wieso eigentlich erst 2015?).

Wer als Außenstehender zumindest überlegenswerte Ideen für das Bildungssystem bereithält, der wird wie im Falle Marian Koglers von der Politik mehr belächelt als ernstgenommen. In diesem Zusammenhang (Kogler fordert etwa Abschaffung von Klassenwiederholungen, Ausfinanzierung der Unis) hieß es etwa von Katharina Cortolezis-Schlager, Nationalratsabgeordnete der ÖVP: “Diese Ideen sind ja schön und gut, aber wer soll denn das bitte alles bezahlen?”

Diese Fortschritts- und Kritikfeindlichkeit, die mit dem Totschlag-Argument “Kein Geld” jede Innovation verhindert, ist symptomatisch für die österreichische Bildungspolitik der vergangenen Jahre. In anderen Ressorts scheint es ein Leichtes zu sein mit Millionenbeiträgen zu operieren, im Bildungsbereich unmöglich. Interessenslobbys gäbe es auch hier – sie werden nur nach wie vor von der Politik nicht Ernst genommen. Auch mit der neuen Ministerin hat sich bisher nichts Wesentliches verändert. Und so bleibt den Universitäten nichts anderes übrig als gegeneinander aufzurüsten: im Kampf um jeden Cent aus dem Wissenschaftsministerium. (Teresa Eder/derStandard.at, 23.02.2010)

http://derstandard.at/1271375063149/Teresa-Eder-Das-Wettruesten-der-Universitaeten

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